Unter mineralischen Bauabfällen lassen sich verschiedene Abfallarten zusammenfassen. Diese sind vor allem Erdaushub, Bauschutt und Straßenaufbruch aber auch bspw. Gleisschotter aus der Unterhaltung von Bahnstrecken.
Sie stellen mit Abstand die größte Abfallfraktion dar. Wurden nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes bspw. im Jahre 2005 etwa 46,5 Mio. Jahrestonnen Siedlungsabfälle entsorgt oder 48,1 Mio. Jahrestonnen aus Industrie und Gewerbe, lag das Aufkommen an mineralischen Abfällen im gleichen Zeitraum bei 185 Mio. Jahrestonnen. Da hier nur die Mengen erfasst werden, die an Abfallbehandlungsanlagen angedient werden, dürfte das Aufkommen gerade an Erdaushub faktisch deutlich höher liegen.
Trotz dieser - alleine aus dem hohen Aufkommen beruhenden Bedeutung dieser Abfallgruppe - wurde ihr über eine lange Zeit keine anderen Abfallfraktionen vergleichbare Aufmerksamkeit geschenkt. Und dies, obwohl bekannt war, dass die Entsorgung bzw. Kreislaufwirtschaft nicht optimal verläuft.
Die Bundesregierung hat deswegen vor einigen Jahren eine Ersatzbaustoffverordnung auf den Weg gebracht. Ein 2. Arbeitsentwurf ist für die 2. Jahreshälfte 2010 angekündigt. Mit dieser Verordnung soll erstmals eine bundeseinheitliche Regelung zur Entsorgung mineralischer Bauabfälle erzielt werden. Bislang gibt es auf der Ebene der Bundesländer unterschiedliche Regelungen, nicht selten haben große Städte zudem zusätzlich eigene Leitfäden / Regelungen.
Mit dieser Verordnung sollen aber auch Umweltstandards in der Entsorgung verbessert werden. Hier stehen schärfere, aus dem Boden- und Grundwasserschutz abgeleitete Anforderungen an die maximal zulässige Schadstoffbelastung und –elution von mineralischen Bauabfällen im Vordergrund, die für eine Rückverfüllung von Steinbrüchen, Kiesgruben, Sandgruben etc. vorgesehen sind.
Wie nicht zuletzt auch Untersuchungen des IFEU zeigen, ist man gerade bei mineralischen Bauabfällen im Gegensatz zu anderen Abfallgruppen noch deutlich entfernt vom Ideal einer Kreislaufwirtschaft. So gelangt bspw. nur etwa 60 % des Bauschuttaufkommens in Recyclinganlagen und damit als RC-Bauprodukt wieder zurück in den Wirtschaftskreislauf. Es bedarf konkreter Impulse auf regionaler Ebene, um eine hochwertige Verwertung im Straßenbau und im Hochbau (RC-Beton) sicherzustellen.
Tagung „Stoffstrommanagement mineralischer Bauabfälle – Impulse aus Rheinland-Pfalz“
Zum Thema "Stoffstrommanagement mineralischer Bauabfälle – Impulse aus Rheinland-Pfalz" fand am 04. Oktober 2010 im Rathaussaal der Stadt Mainz eine Tagung statt. Veranstalter waren das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz sowie das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht.
Die Tagung wurde vom IFEU im Auftrag des Ministeriums inhaltlich konzipiert sowie organisiert.
Hintergrund
Mineralische Bauabfälle stellen mit Abstand die bedeutendste Abfallfraktion dar. Jährlich müssen pro Bundesbürger mehr als 1,6 Tonnen Bodenaushub und 0,6 Tonnen Bauschutt entsorgt werden.
Das Aufkommen an mineralischen Bauabfällen wird in Zukunft tendenziell ansteigen. Durch den demographischen Übergang, in dem sich unsere Gesellschaft befindet, wird sich die Bautätigkeit auf den Erhalt und die Ertüchtigung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur konzentrieren, einhergehend mit einer Siedlungsentwicklung, die im Baubestand selbst und weniger in der Neuausweisung neuer Baugebiete liegen wird.
Dies dient auch dem Schutz von Natur und Landschaft. Schon im Jahre 2009 konnte der Flächenbedarf für die Erweiterung der Siedlungsflächen auf einen für den Nachkriegszeitraum historischen Tiefstand von deutlich unter 1ha/Tag vermindert werden.
Die eher weiter rückläufige Baustoffnachfrage bei gleichzeitig ansteigendem Aufkommen an mineralischen Bauabfällen verdient besonderes Augenmerk. Die klassischen Möglichkeiten der Rückführung der Baurestmassen in den Straßen- und Wegebau müssen weiter ausgebaut und darüber hinaus neue Verwertungswege erschlossen werden. Gelingt dies, ist damit eine große Chance zum Schutz von Ressourcen und zur Minderung des mit der Rohstoffgewinnung verbundenen Eingriffes in den Natur- und Landschaftshaushalt verbunden.
Optimierung des Stoffstrommanagements - wichtige Impulse aus Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz konnten zur Optimierung des Stoffstrommanagements von mineralischen Bauabfällen wichtige Impulse gesetzt werden. Diese Impulse sollen mit der Tagung vorgestellt werden und möglichst weitere Verbreitung auch über Rheinland-Pfalz hinaus finden.
So ist es dem Landesamt für Geologie und Bergbau gelungen, einen Ansatz zur Anpassung der bestehenden Genehmigungen zum Verfüllen von Abgrabungen im Rahmen der Rekultivierungen an das aktuelle Bodenschutzrecht zu finden, der hierfür zukünftig nur noch unbelastetes Bodenmaterial zulassen wird. Dieser Ansatz hat vor Gericht bestanden und kann als wichtige Richtschnur auch für andere Bundesländer dienen.
Seit vielen Jahren ist mit RC-Beton ein ressourcenschonender Beton als Baustoff für den klassischen Hochbau zugelassen. Nur mit diesem Baustoff ist es bislang möglich, für Hochbaurestmassen den Materialkreislauf zu schließen und Gesteinskörnungen herzustellen, die zur Substitution von Kies und gebrochenem Naturstein in der Betonherstellung Verwendung finden können. In Ludwigshafen wurde letztes Jahr ein erstes Wohngebäude nahezu ausschließlich aus diesem Baustoff errichtet. Dieses Vorhaben hat mittlerweile Wellen geschlagen und über die Landesgrenzen hinaus als Impuls für weitere derartige Bauvorhaben gedient.
Auch bei der klassischen Verwertung über den Straßen- und Wegebau gibt es sehr gute Ansätze im Lande. So sind zahlreiche Bauschuttrecycler in der Lage, hochwertige Baustoffe für Schottertragschichten und Frostschutzschichten für den Straßenbau herzustellen und dies güteüberwacht und zertifiziert. Die technischen Lösungsansätze wurden anhand von zwei Praxisbeispielen vorgestellt.
Eine Auswahl von Projekten zur Entsorgung mineralischer Bauabfälle finden Sie hier:
Ressourceneffizienz
Schließen von Stoffkreisläufen – Herstellung von Transportbeton unter Verwendung von Gesteinskörnungen aus aufbereitetem Mauerwerksschutt. Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit Fa. Feeß Kirchheim/Teck und Fa. Krieger Neckarrems, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, in Bearbeitung
Das Vorbild Öffentliche Hand zur Optimierung der Verwertung mineralischer Bauabfälle, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, 2012
Verwertung des Abbruchmaterials von KlimaHäusern, in Zusammenarbeit mit Syneco Bozen, im Auftrag der Provinzregierung von Südtirol, 2012
Optimierung des Stoffstrommanagements für Böden und mineralische Bauabfälle im Großraum Koblenz, im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz, 2012
Abfall als Ressource. Optimierung des Stoffstrommanagements für Bauschutt aus Mauerwerksbruch, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg, 2011
Hochwertige Verwertung von Bauschutt als Zuschlag für die Betonherstellung, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Baden-Württemberg, 2011
Einsatz von Recycling-Material aus mineralischen Baustoffen als Zuschlag in der Betonherstellung am Beispiel einer Wohnbebauung an der Rheinallee in Ludwigshafen, Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, Fa. Scherer + Kohl Ludwigshafen und Fa. TBS Transportbetonservice Ludwigshafen, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, 2011
Erstellung einer Broschüre zum Thema ressourcenschonender Beton (RC-Beton), im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Baden-Württemberg, März 2011
Stoffstrommanagement Bau- und Abbruchabfälle – Impulse für Rheinland-Pfalz, Fachtagung im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, Oktober 2010
Das Vorbild der Öffentlichen Hand zur Optimierung der Verwertung mineralischer Bauabfälle, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, August 2010
Optimierung der Verwertung mineralischer Bauabfälle in Baden-Württemberg, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr in Baden-Württemberg, März 2010
Stoffstrommanagement Bauabfall für das Land Rheinland-Pfalz, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, Juni 2009
Steigerung von Akzeptanz und Einsatz mineralischer Sekundärrohstoffe unter Berücksichtigung schutzgutbezogener und anwendungsbezogener Anforderungen, des potenziellen, volkswirtschaftlichen Nutzens sowie branchenbezogener, ökonomischer Anreizinstrumente, in Zusammenarbeit mit Öko-Institut Darmstadt, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung Berlin und dem Büro Jakubowski Ahrensburg, Juni 2008