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SPIEGEL-Artikel: Nichts Neues zum Umweltvergleich Straße-Schiene

           

IFEU-Stellungnahme

 

In der SPIEGEL-Ausgabe Nr. 28 vom 11.07.2011 ist im Artikel „Laster der Tugend“ eine Abbildung zum Vergleich des CO2-Ausstoßes für „Lkw“ und „Güterzug“ abgedruckt (s. rechts.). Die zu Grunde liegenden Berechnungen haben ganz unterschiedliche Ansätze, die Ergebnisse sind damit nicht vergleichbar:

  • Die Werte „Laut Bahnindustrie“ mit Quelle IFEU sind Jahresdurchschnittswerte für Lkw und Güterzug. Beim Lkw wird der Mittelwert aller Lkw von 3,5-40 Tonnen mit ihrer durchschnittlichen Auslastung von rund 50 % betrachtet. Auch beim Bahngüterverkehr wird der Mittelwert angegeben.
  • In den Beispielrechnungen „Laut Autoindustrie“ wird ein besonders kraftstoffgünstiger 40-Tonnen-Lkw im Fernverkehr mit voller Auslastung angesetzt. Dem wird ein Güterzug mit 20 nur teilweise beladenen Wagen gegenübergestellt. Dieser kurze Zug hat ein Gesamtgewicht von 500 Tonnen. Der Zug ist nur gering beladen, die Lkw sind hingegen randvoll.
    Solche Annahmen führen bei Lkw zu niedrigen CO2-Emissionen, bei der Bahn zu hohen Emissionen. Solche Situationen mögen im Einzelfall vorkommen, werden aber in der Realität in kürzester Zeit aus ökonomischen Gründen aus dem Markt verbannt.


Somit werden in dieser Grafik Transporte miteinander verglichen, die eine verschiedene Bezugsbasis haben und damit nicht direkt vergleichbar sind. Der spezifische Kraftstoffverbrauch bei modernen voll ausgelasteten Lkw ist logischerweise deutlich geringer als der Mittelwert der Lkw-Flotte. Kurze wenig beladene Züge haben pro Tonne Gut einen höheren Verbrauch als lange volle Züge.

Welche Gegenüberstellungen helfen bei der Bewertung der Systeme Lkw und Bahn weiter?

  • Jahresdurchschnittswerte beschreiben den aktuellen Zustand des gesamten Lkw-Verkehrs und des Bahn-Gütertransports und erlauben beispielsweise, Veränderungen im Zeitverlauf zu erkennen. Sie sind nicht geeignet für die Abschätzung von Verlagerungseffekten von Straße auf Schiene und umgekehrt, da hierbei die konkreten Randbedingungen (Art des Gutes, Auslastung, Länge der Transportkette etc.) entscheidend sind und berücksichtigt werden müssen.
  • Die Bilanzierung konkreter Transportaufgaben ist der richtige Ansatz, um die CO2-Emissionen verschiedener Verkehrsträger (z.B. zur Bewertung von Logistikketten oder für Carbon-Footprint-Betrachtungen) zu vergleichen. Hierbei hat der Gutachter eine besondere Verantwortung, die Transporte realitätsnah und möglichst aus konkreten Relationen abgeleitet zu beschreiben und entsprechend zu berechnen. Dazu hat IFEU international eingesetzte Tools wie EcoTransit mitentwickelt. Mit ihnen lassen sich konkrete Transporte präzise vergleichen.
  • Bei gleichen Rahmenbedingungen haben Gütertransporte mit der Bahn in Deutschland meist geringere spezifische CO2-Emissionen als der Lkw. Es können auch Situationen auftreten, in denen das CO2-Verhältnis zu Lasten der Bahn ausfällt. Das ist nicht neu.


Seit vielen Jahren weist das IFEU darauf hin, dass ein Bahntransport nicht in jedem Fall ökologisch besser ist als der Lkw. Beide Verkehrsträger müssen darauf achten, dass sie ihre technische Effizienz und ihre Auslastung optimal ausnutzen und verbessern. Dazu wurden vom IFEU schon zahlreiche Studien durchgeführt, und dies jeweils unter ausführlicher Würdigung der Aussagekraft und Grenzen solcher Vergleiche. Die untenstehende Abbildung zeigt beispielsweise einen Vergleich der CO
2-Emissionen von Bahn und Lkw auf konkreten europäischen Transportrelationen, den wir 2001 in einer umfangreichen Studie für die International Road Union (IRU) und den Bundesverband Güterverkehr und Logistik (BGL) erstellt haben. Auch hier wird deutlich, dass der Vorteil nicht immer bei der Bahn liegt und dass Lkw und Bahn gelegentlich nahe beieinander liegen.

Die Kurzfassung der Studie ist hier erhältlich.

 
 
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Ansprechpartner

 

Wolfram Knörr (06221/ 4767-37; wolfram.knoerr@ifeu.de)

 
 
 
 Printer friendly  Tell a friend Last updated: 12 Jul 2012

 

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